Welkungen Wellungen

21. Januar 2026

I

  • Wie gelingt ein Hochklettern an den Rändern der Kumuluswolke Kummerwolke?

  • Wo beginnt das Dösen des Nachmittags?

  • Entsteht aus dem Wachstum von Efeu Frische?

II

  • Ich suche nach Ablenkungen, nach kleinräumigem Trost in einer Aprikose, einer extra-halben Stunde Schlummer, dem Verlassen der genormten Wege, dem Vervielfältigen der inneren Kartografie.

  • Ich suche nach Taube und nach Tante und nach beweglicher Nacht.

III

  • Wonach ich mich sehne: Nach Sätzen, die lang genug sind, ohne Längen in sich zu tragen. Nach eifrigem Vogelschritt unter dem Baum. Nach mehr Aufmerksamkeit gegenüber dem Farbenspektrum, auch was Gefühle betrifft.

  • Nach Tagen, die ganz ohne Vorsätze auskommen, leicht wie der Tauchgang eines Seepferdchens.

  • Eine Umgewichtung von Stimmungen

  • den Nacken in ein Feld von Lavendel legen

  • & die Rehe und die Menschen, die bei ihnen stehen, wie eine freundliche Herde.

IV

  • Wahrscheinlich haben Frische und Erzählen mehr Gemeinsamkeit, als ich zu Beginn gedacht habe. Vielleicht geht es beim Erzählen immer auch um die Frage, wie wir von Frische erzählen. Wie wir Formen finden, die sich an Frische orientieren.
  • Es geht um das Verhältnis von Einzelheiten, oder, wie du gestern gesagt hast: um das Ephemere zwischen den Dingen.

V

  • Wir sehen dem Milan zu, der seine Kreise zieht, Schlaufen und Ellipsen und weite Bögen. Ob das seine Form des Schreibens ist? Oder ist Schreiben etwas, wonach einen nie verlangt, wenn man fliegen kann und sich von Luftmassen treiben lässt?

VI

  • Immer wieder blicken wir zu den Hügeln. Als würde sich auf diese Weise etwas an unseren Sätzen verändern.

VII

  • LOVE IS AN IVY, auch Zukunft ist ein Efeu, das nicht aufhört zu wachsen.
Die Basler Autorinnen Valerie-Katharina Meyer (*1988) und Julia Rüegger (*1994) arbeiten als literarisches Duo-Kollektiv und veranstalten szenische Lesungen. Sie erforschen kollaborative Schreibformen und Erzählmöglichkeiten, die sich von herkömmlichen Besitzansprüchen in Bezug auf Autor*innenschaft emanzipieren. Zudem initiieren sie poetische Formate im öffentlichen Raum, so etwa die Brunnenlesungen in Basel. 2025 erschien ihre erste gemeinsame Publikation «Und überlaut die Zikaden (edition mosaik). Ebenfalls 2025 erhielten sie für ihr aktuelles Schreibprojekt das Reconnect-Stipendium vom Kanton Basel-Landschaft.
Dieses Gedicht wurde kuratiert von Internationales Lyrikfestival Basel. Julia Rüegger & Valerie-Katharina Meyer lesen am Internationalen Lyrikfestival Basel 2026. Link

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