mittwoch, 21. januar
23.
Januar
2026
- ich befand mich in einer höhle
- es war meine stirnhöhle ein hochdruckgebiet
- mein kopf schmerzte
- anscheinend war ich unter druck
- als ich meine kinder sah
- eines zog am kabel einen lautsprecher hinter sich her
- das andere stürzte sich auf das rohr des staubsaugers
- durch ein anderes rohr
- telefonierte ich mit trump
- ich nutzte die gelegenheit
- mein deal: du trittst zurück und machst alles rückgängig und besser
- arschloch!
- dafür bringe ich dich nicht um
- dann schmetterte ich das rohr gegen die wand
- dann nahm ich es wieder auf
- es war ein auspuff
- und wanderte damit
- es wie ein fernrohr benutzend
- nach davos
- da bin ich jetzt
- von weitem seh ich ihn aus dem flugzeug steigen
- ich halte mich an deals
- und drücke nicht ab
- dennoch schiessen flammen daraus hervor
- da haben wir den salat
- es tropft in meiner höhle
- ich lösche damit den brand
- alles höre ich von fern
- und streiche über die haare
- meiner zwillinge
- wie über farn
Judith Keller (*1985), geboren in Lachen, studierte Literarisches Schreiben in Biel und Leipzig sowie Deutsch als Fremdsprache in Berlin und Bogotá. Ihr Roman «Wilde Manöver» (Luchterhand 2023) wurde mit dem Schweizer Literaturpreis 2024 ausgezeichnet. Im September 2023 erschien ihr Band mit Kürzesttexten «Ein Tag für alle» (Der gesunde Menschenversand). Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich.
Dieses Gedicht wurde kuratiert von Internationales Lyrikfestival Basel.
Judith Keller liest am Internationalen Lyrikfestival Basel 2026. Link
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